Antike Skulpturen bezaubern in vielen Museen der Welt ihre Betrachter: Sie lieben die Licht reflektierende Oberfläche der marmornen Körper, die – wie durch ein Wunder vor der Zerstörung der Zeit bewahrt – ihnen Einblick gewähren in eine ideale, vollkommene Ästhetik. Oder der Betrachter verklärt das zufällig erhaltene Fragment, das mit seinen Brüchen und seiner Patina die Authentizität einer lang vergangenen Epoche beschwört. Diese beiden Aspekte haben unser Bild der antiken Kunst geprägt, wir halten es für verbindlich und damit auch für historisch.
Die antiken Autoren sowie die archäologischen Funde bezeugen jedoch die farbige Fassung der Skulpturen. Farbreste wurden im 19. Jahrhundert noch intensiv dokumentiert, doch im 20. Jahrhundert ließ das Interesse daran nach und das Wissen um die Farbigkeit verkümmerte. Ein Forschungsunternehmen von Vinzenz Brinkmann führte vor 25 Jahren zu der Idee, in einer Ausstellung dieses Thema zu visualisieren. In verschiedenen Kooperationen wurden Untersuchungsmethoden entwickelt und immer weiter verbessert, um die Farbreste an originalen Skulpturen aufzuspüren und zu dokumentieren.
[Text: Staatliche Museen zu Berlin]