Die französischen Glaubensflüchtlinge siedelten sich um 1700 in Berlin an und bildeten eine Minderheit, welche dennoch die Stadt stark prägte. Besonders in Kultur und Wirtschaft übten Hugenotten bzw. deren Nachkommen eine prägende Kraft aus.
Weiterlesen
Etwa zeitgleich mit der Reformation in Deutschland setzte sich auch in Frankreich eine Reformbewegung durch, die von Johann Calvin geprägt war und deshalb Calvinismus genannt wurde. Umgangsprachlich wurden die Anhänger Hugenotten genannt.
Nach langen blutigen Auseinandersetzungen kam es schließlich zur Ausweisung der Hugenotten aus Frankreich und viele Flüchtlinge siedelten in deutsche Gebiete über. Preußen nahm ungefähr 20.000 Glaubensflüchtlinge auf und der 'Große Kurfürst' Friedrich Wilhelm sorgte 1685 mit dem Edikt von Potsdam für rechtliche Sicherheit.
Die größten Ansiedlungen fanden in Berlin statt. Besonders die Vorstädte, wie die Dorotheenstadt und die Friedrichstadt wuchsen rasch an. Während die Oberschicht die Ansiedlung unterstützte und der französische Kultur sehr nahe stand, gab es bei der einheimischen Bevölkerung durchaus Widerstand.
Allmählich kam es aber zu einem Hineinwachsen in die neue Umgebung, wobei es zu einer wechselseitigen Beeinflussung der verschiedenen Bevölkerungsgruppen kam. Sehr gefragt war en die handwerklichen Fähigkeiten der Flüchtlinge, die zu einem wirtschaftlichen Aufschwung führten. Eine Reihe von Berufen besonders im Luxusbereich entstanden ganz neu.
Auch auf dem Gebiet der Wissenschaft kam es zu erheblichen Fortschritten und schon bald revidierten viele Einheimische ihre Vorurteile gegen die Einwanderer.
In Berlin entwickelte sich schnell die größte und bedeutenste französich-reformierte Gemeinde in Brandenburg. Ihre erste Kirche entstand 1699 am Gendarmenmarkt.