Pfarrer Martin Niemöller war ein protestantischer Theologe und Mitglied der Bekennenden Kirche. Der ehemalige U-Boot-Kommandant des Ersten Weltkriegs entschloss sich zum Theologiestudium und engagierte sich im Dritten Reich als Widerstandskämpfer. Während der Wiederbewaffnung der Bundesrepublik wurde Niemöller zum radikalen Pazifisten.
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Nach dem Abitur entschied sich der Pfarrerssohn Martin Niemöller in die Marine einzutreten. Er nahm am Ersten Weltkrieg teil und wurde schließlich U-Boot-Kommandant. Das Ende des Kaiserreiches war für ihn auch ein Zusammenbruch persönlicher Normen und Werte, weshalb er sich zum Theologiestudium in Münster entschloss. Obwohl er anfänglich den Nationalsozialismus begrüßte, lehnte er strikt die nationalsozialistische Kirchenpartei der 'Deutschen Christen' ab.
1933, mittlerweile Pfarrer in Berlin-Dahlem, gründete Niemöller den Pfarrernotbund, dem sich ein Drittel der evangelischen Pfarrer anschloss. Aus dem Pfarrernotbund entstand die 'Bekennende Kirche', eine erste Synode in Wuppertal verfasste die 'Barmer Theologische Erklärung', die zweite Synode fand in Dahlem statt und erließ das 'Dahlemer Notrecht'. Immer stärke griff Niemöller das zuerst von ihm favorisierte nationalsozialistische Regime an. 1937 wurde er verhaftet und auf Befehl Hitlers im Konzentrationslager Sachsenhausen und später in Dachau inhaftiert. Während seiner Haft setzte er sich intensiv mit der christlichen Verkündigung auseinander und entdeckte für sich besonders den ökumenischen Gedanken, der Grenzen überwindet und Völker miteinander verbindet. Bei Kriegsende befand er sich bereits in den Händen eines Liquidationskommandos, bevor er befreit wurde.
In der Nachkriegszeit war Niemöllers Rolle durchaus polarisierend. Er befand sich im Gegensatz zur vorherrschenden Meinung einer bischöflichen Struktur in den verschiedenen Landeskirchen der mittlerweile gegründeten Evangelischen Kirche Deutschlands und forderte eine Überwindung des Territorialismus. Scharf kritisierte er die Gründung der Bundesrepublik als einen 'Pakt zwischen römischen Katholizismus und amerikanischem Kapitalismus auf Kosten der Deutsch in der sowjetischen Besatzungszone'. Während des Kalten Krieges wendete sich Niemöller entschieden gegen eine Wiederbewaffnung Deutschlands und vollzog den Schritt zum radikalen Pazifismus. Entscheidend war für ihn die Tatsache, dass durch die ABC-Waffen die Auslöschung des Lebens in seiner Gesamtheit möglich war und damit unverantwortlich gegen Gottes Schöpfung verstieß. Es war also eine christliche Aufgabe sich gegen Kriegsdienst zu wenden.
An der Verfassung des 'Stuttgarter Schuldbekenntnis', in dem die evangelische Kirche ihr Versagen während der Zeit des Nationalsozialismus bekennt, war Niemöller beteiligt und betonte dabei auch seine eigene Schuld und Versagen. Martin Niemöller war bis zu seinem Ruhestand 1964 rastlos für die Völkerverständigung tätig und setzte sich auch politisch ein. Obwohl seine teilweise polemische Art ihm viel Kritik einbrachte, machte ihn seine markante Art zu einem der bedeutendsten Kirchenvertreter des 20. Jahrhunderts.