Eine Kanzel besteht aus einem Kanzelkorb, in dem der Prediger steht und der auf einem Fuß ruht oder an einem Pfeiler frei schwebt. Gelegentlich findet sich über der Kanzel ein Schalldeckel, der für die bessere Akustik zuständig ist. Besonders während des Barock wurden Kanzeln reich verziert und biblische Figuren wurden zur visuellen Unterstützung der Predigt angebracht. Reformierte Kanzeln dagegen blieben schmucklos.
Der Standort der Kanzel innerhalb der Kirche ist eng verbunden mit der jeweiligen theologischen Bedeutung, die man der Predigt zusprach. In der Reformation wurde die Kanzel zum Mittelpunkt gerückt, um die zentral Bedeutung des Wortes Gottes zum Ausdruck zu bringen. Am Chorbogen verdeutlicht die Kanzel die vermittelnde Position zwischen Gott und der Gemeinde. Im Nebeneinander von Altar, Kanzel und Taufbecken drückte die evangelische Kirche den Zusammenhang von Evangeliumspredigt und Sakramenten aus.
Der Name Kanzel (lat. Schranke) verdeutlicht, dass die Kanzel ursprünglich an der Schranke des Altarbereichs stand, am Übergang zur Gemeinde.